Längst nicht jeder Hundehalter zahlt die Hundesteuer, das liegt auch daran, dass diese Steuer als sehr ungerecht empfunden wird. Es gibt Schätzungen, dass ein Viertel der Hundehalter es darauf ankommen lassen und auf die Zahlung dieser direkten Steuer verzichten und lieber ohne Steuermarke Gassi gehen. Oftmals ohne Folgen. Denn zwar gibt es Gemeinden, in denen sehr streng kontrolliert wird, ob der Hund eine Steuermarke hat und auch ob er tatsächlich da wohnt, wo der Hundebesitzer sagt, aber es gibt eben auch Gemeinden, in denen keine Hundesteuer-Polizei auf Streife geht.

Fakten und Irrtümer über die Hundesteuer

1)    Die Hundesteuer ist eine Erfindung der modernen Politik

Falsch. Die Hundesteuer gibt es nun seit etwa 200 Jahren. Dabei wurde die Besteuerung von Hunden erstmals in England praktiziert. Eine so gute Idee konnte aber unmöglich ohne Nachahmer bleiben und so sprang Preußen im Oktober 1810 auf den Zug auf und führte die Hundesteuer als Luxussteuer ebenfalls ein. Allerdings galt diese Luxussteuer in Preußen nicht alleine für Hunde, sondern auch für Katzen, Pferde, Enten, Stubenvögel, ja, sogar der Besitz eines Klaviers oder eines Hundeschlittens konnte ebenso besteuert werden wie das Halten von Dienstboten. Während weder Enten, Katzen noch Klaviere heute als Luxus angesehen werden, der eine zusätzliche Steuer verdient hätte, hat sich die Hundesteuer bis heute gehalten.

2)    Die Hundesteuer gibt es auch in anderen Staaten

Das ist nun mal Fakt. Längst nicht nur in Deutschland zahlt man für die Haltung eines Hundes extra Geld. Allerdings wird in den meisten Ländern diese Gebühr als Hundelizenz bezeichnet und damit beworben, dass durch eine solche Registrierung der Halter auch Vorteile hat (leichtere Zuordnung für den Fall, dass das Tier wegläuft). Siehe auch Hundesteuer in anderen Ländern.

Dennoch gibt es einige Länder, in denen die Hundesteuer auch wieder abgeschafft wurde:

  • Dänemark 1972
  • Frankreich 1979
  • England (Großbritannien) 1990
  • Schweden 1995

 

3)    Die Hundesteuer ist überall gleich

Die Hundesteuer ist eine kommunale Steuer (eine der wenigen Steuern, über die Kommunen und Gemeinden selbst bestimmen dürfen) und so gilt von Gemeinde zu Gemeinde ein teilweise höchst unterschiedlicher Steuersatz. So unterschiedlich das teilweise auch getrickst wird, und ein Hund zum Beispiel bei der Oma angemeldet wird, da diese in einem Hundesteuer-Niedriggebiet wohnt oder in einer der ganz wenigen Gemeinden in Deutschland ohne Hundesteuer. Die Unterschiede in der Handhabung führen auch dazu, dass in einigen Gemeinden der zweite und dritte Hund höher besteuert wird, in anderen nicht. Und in einigen Gemeinden das Halten eines sogenannten Listenhundes den Geldbeutel deutlich mehr belastet als der eines anderen Hundes. Einige Gemeinden kennen Ermäßigungen für sozial Schwache, andere wiederum nicht.

4)    Hundesteuer kommt den Hunden zugute

Wenn es das wenigstens wäre, würden die meisten Hundehalter sicherlich fast noch gerne bezahlen. Oftmals hört man, dass von den Einnahmen der Hundesteuer der Mehraufwand bei der Straßenreinigung bezahlt werde. Dem ist aber leider nicht so (oder zum Glück, denn dann würden sicherlich noch mehr Unbelehrbare Hundehalter auf den Gassigehbeutel verzichten). Noch nicht einmal den chronisch finanziell schwachen Tierheimen kommt die Hundesteuer zu Gute. Das Geld ist nicht Zweckgebunden und kann von den Gemeinden und Kommunen eingesetzt werden, wie diese es möchten.

5)    Hundesteuer berücksichtigt die finanzielle Situation des Hundehalters

In einigen Gemeinden dürfen auch sozial Schwache Hunde halten, zumindest kommt man ihnen hier mit einem ermäßigten Satz entgegen. In vielen Gemeinden ist und bleibt es eine Luxussteuer und diese müssen auch die Tragen, die finanziell nicht so gut dastehen. Während bei vielen anderen Steuerarten die Einkommenssituation des Besteuerten durchaus eine Rolle spielt, ist das bei der Hundesteuer eben oftmals nicht der Fall.

6)    Hundesteuer ist eine gerechte Steuer

Immerhin an einem Punkt hat dieser Satz seine Berechtigung, macht die Hundesteuer doch keinerlei Unterschiede zwischen Mischlingshunden und Rassehunde. Alle werden gleich besteuert. Für Herrchen und Frauchen, die sich eben nur einen Mischling leisten können, ist das aber wieder ungerecht. Denn wer mehrere hunderte Euro, manchmal sogar mehrere tausend Euro für einen Rassehund ausgeben kann, dem fällt das Zahlen der Hundesteuer meist leichter, als eben jemand, der (auch) aus Kostengründen einem Hund aus dem Tierheim eine Chance gibt. Und ausgerechnet wohlhabende Menschen haben vielleicht einen Zweitwohnsitz, an dem der Hund auch angemeldet werden könnte.

7)    Hunde kosten immer gleichviel Hundesteuer

Nein. Schon innerhalb eines Haushaltes kann es da Unterschiede geben, dafür muss ein Hund noch nicht einmal ein sog. Listenhund sein. In vielen Kommunen und Gemeinden wird der Zweithund und auch der Dritthund mit einer höheren Steuer belegt.

Man stelle sich das einmal bei Katzen vor, dort gilt es als selbstverständlich der Samtpfote noch einen kätzischen Kameraden zur Seite zu Stellen. Beim Hund wird der Gedanke, dass ein Hund einen Hundekumpel braucht oftmals bestraft.

An der Stelle wo es wirklich mal sinnvoll wäre, Hunde mit unterschiedlichen Steuern zu belegen, zum Beispiel um die Aufnahme von Hunden aus dem Tierheim zu fördern, versagt der Ansatz dann aber wieder. Es gibt nur wenige Gemeinden und Kommunen in denen zumindest für einen befristeten Zeitraum die Hundesteuerzahlung für einen Hund aus dem Tierheim ausgesetzt wird.

Klingt ein wenig nach George Orwell: Alle Tiere sind gleich, nur einige sind gleicher.

8)    Mit der Hundesteuer wird die Reinigung von öffentlichen Plätzen und Gehwegen von Hundekot finanziert

Definitiv nein. Auch wenn es leider manchen Hundehalter als Ausrede dafür dient, die Hinterlassenschaften seines Hundes nicht wegzuräumen (und damit nicht gerade die Akzeptanz von Hunden in unserer Gesellschaft fördert), wird das Geld nicht dafür verwendet. Wäre es anders, hätte die Hundesteuer den Charakter einer Strafsteuer. Wird aber ein Hundehalter erwischt, der den Haufen seines Hundes nicht beseitigt, dann kann man ihm ein Bußgeld auferlegen. Wegen unbelehrbaren Hundehaltern, die ihre Hunde aber überall hin koten lassen und sich dafür nicht verantwortlich fühlen, halten aber viele (gerade nicht Hundehalter) die Hundesteuer für gerechtfertigt.

Den Kommunen obliegt nach dem Straßenreinigungsgesetz der Länder ohnehin die Reinigung der öffentlichen Straßen. Insoweit entstehen aber nur fixe Kosten, da es der Kehrmaschine egal ist ob sie neben dem hauptsächlich aufkommenden Schmutz durch die Bevölkerung hin und da auch Hundehaufen mit wegfegt. Wegen Hundekot alleine wird keine Stadt in Deutschland den städtischen Reinigungsdienst bemühen.

9)    Bei der Hundesteuer wird nach Größe des Hundes differenziert

Ein Dackel zahlt weniger als ein Schäferhund? Ein Chihuahua (kleinste Hunderasse der Welt) weniger Hundesteuer als ein irischer Wolfshound (größte Hunderasse) der Welt? Was bei Autos klappt, klappt bei Hunden nicht. Der kleine Vierbeiner kostet genauso viel Hundesteuer wie der Große. Was vielleicht, solange es die Hundesteuer gibt, auch gut so ist, schließlich haben auch große Hunde ihre Fans.

10)  Teuer wird es für gefährliche Hunde

Es gibt Gemeinden in Deutschland, die nicht nur unterschiedliche Steuersätze für den Ersthund, Zweithund oder Dritthund haben, sondern auch noch zwischen den Hunden selbst differenzieren. So werden oftmals sogenannte Listenhunde oder Kampfhunde höher besteuert. Teilweise können das 1000 Euro werden, die für die Haltung eines solchen Hundes pro Jahr gezahlt werden müssen. Dabei wird dieser hohe Steuersatz nicht fällig, wenn der Hund auffällig geworden ist, sondern einfach wenn der Hund bzw. die Rasse der er angehört als gefährlich angesehen wird. Das diese höhere Steuer rechtens ist, hat inzwischen auch das Bundesverwaltungsgericht entschieden (BVerwG 9 C 8 13). Begründung: Die Hundesteuer ziele darauf ab, Kampfhunde aus dem Gemeindegebiet zurück­zudrängen.

 

Hundesteuer muss übrigens auch für verreiste Hunde gezählt werden. Auch darüber gibt es ein Urteil und zwar vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (Az. 4B 12, 1389). Entscheidend sei ja nicht, wo der Hund sich im Moment aufhalten würde, sondern wo der Hund normalerweise leben würde.