Steuern für Hunde ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits am Ende des Mittealters, im 15. Jahrhundert, gab es Bauern die für die Haltung von Hunden Hundekorn zahlen mussten. Aber damit waren ihre Pflichten oft nicht erledigt, oft gab es noch eine Hundegestellungspflicht. Sie mussten also mit ihren Hunden ihrem Lehnsherrn zur Verfügung stehen. Zum Beispiel bei der Jagd.

Nachdem dann Ende des 18. Jahrhunderts in Großbritannien die Idee umgesetzt wurde, die Haltung von Hunden mit Steuern zu belegen, dauerte es nicht lange, bis auch auf heutigem deutschen Boden solche Vorhaben, aus teilweise höchst unterschiedlichen Beweggründen in die Tat umgesetzt wurde. Teilweise geschah es tatsächlich um die Zahl der Hunde zu begrenzen, in einigen Gebieten sollten aber Schulden bezahlt werden oder die Armenkasse gefüllt.

Hier einige Beispiele aus der Geschichte der Hundesteuer

Einführung der Hundesteuer auf deutschem Boden – Armenkasse füllen

Auf heutigem deutschen Boden war es dann das damals noch dänische Herzogtum Holstein, in dem eine solche eingeführt wurde. Der dänische König Christian VII. führte diese am 20. März 1807 ein, Hintergedanke war es den Kommunen in diesem Gebiet die Möglichkeit zu verschaffen ihre Armenkassen aufzubessern.

Einführung der Hundesteuer um Schulden zu zahlen

Auf deutschem Gebiet selbst war es dann die Stadt Offenbach am Main, die hier Vorreiter war. Eine Verordnung der Fürstlich Isenburgischen Regierung vom 28. Februar 1807 führte diese ein. Jährlich war ein Reichstaler zu zahlen, mit dem Geld wollte man die städtischen Kriegsschulden bezahlen.

Sachsen-Coburg will Zahl der Hunde begrenzen

In Sachsen-Coburg wird die Abgabe per Verordnung im Jahr 1809 eingeführt. Hier soll sie als seuchenpolizeiliche Maßnahme die Zahl der Hunde verringern. Dies soll vor allem auch dazu dienen die Tollwutgefahr zu verkleinern. Siehe auch Artikel über Tollwut.

Immerhin differenzierte man diese Steuer in Sachsen-Coburg: Für Hündinnen war weniger zu zahlen als für Rüden. Und wer als Hausbesitzer im Wald lebte musste für seine Wachhunde keine Steuer zahlen. Jäger hatten zwei Hunde frei, Schäfer für jede Herde einen. Weitere Ausnahmen gab es für weitere Wach- und Diensthunde. Und auch herrschaftlich gehaltene Jagdhunde waren ausgenommen. Allerdings galt für abgabefreie Sicherheitshunde eine Maulkorbpflicht.

Hundemarke als Steuermarke

Und man kannte hier bereits Vorläufer der Hundemarke als Steuermarke, denn den Hunden wurden Blechmarken mit Nummern um den Hals gehängt, um ihre beglichene Steuerschuld zu dokumentieren. Solche Blechmarken mussten natürlich auch die Hunde tragen, die von der Hundesteuer befreit waren, für sie waren die Blechmarken dann sogar etwas teurer. Das ganze System wurde von Nachrichtern (Scharfrichter) kontrolliert. Diese hatten auch die Aufgabe nicht markierte Hunde einzufangen. Man hatte auch geregelt, wie mit fremden Hunden zu verfahren war. Wer mit seinem Hund in dieses Gebiet einreiste, sollte seine Hunde nicht auf der Straße laufen lassen. Das diese ganzen Maßnahmen die Zahl der Hunde im Gebiet reglementieren sollte, zeigt wohl auch die weitere Maßnahme, die diese Verordnung verfügte: Der erste Wurf einer jeden Hündin sei zu ertränken.

Ausnahmen auch bei der Hundesteuer im Königreich Württemberg

Bei der am 6. Juli 1809 in Königreich Württemberg eingeführten Hundesteuer werden ebenfalls Ausnahmen vorgesehen. Nicht gezahlt werden müssen für:

  • Herrschaftliche Hunde.
  • Hunde von Mitgliedern des Königshauses.
  • Jagd hunde von Hägern und Jagdherren.

Im Königreich Württemberg ist die Hundesteuer dabei Vierteljährlich fällig.

Steuersenkung lässt Zahl der Hunde anwachsen

Interessant ist hier die dokumentierte Auswirkung über die Höhe: So senkte man 1839 die Steuersätze für Hunde. Das hatte zu Folge, dass es zu einer starken Vermehrung dieser kam. 1942 galten wieder höhere Steuersätze und es wurde sogar eingeführt, dass ein zweiter Hund (Luxushund) noch mehr kostet als der erste. Die Einnahmen dieser Hundesteuer ging damals an die Ortskasse.

Preußen

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. erließ dann am 28. Oktober 1810 das Edikt über die neuen Consumptions- und Luxus-Steuern. Damit wurde aber nicht nur eine Luxusteuer für Hunde eingeführt, besteuert wurden auch Pferde und sogar Diener. Wer sich ein Hund hält, der kein Nutztier sei, müsse, so die Idee des Staates, genügend Geld haben, um noch zusätzliche Abgabe zu leisten. Auch in Preußen gab es dabei Ausnahmen bei der Zahlpflicht. So musste nicht für Hunde gezahlt werden, die zur Ausübung des eigenen Gewerbes gehalten wurden. Auch für die Wachhunde von Bauern wurde diese Luxussteuer nicht fällig. Zunächst wurde diese Steuer als Staatssteuer eingerichtet.

Am 29. April 1829 wurde dann aber eine Kabinettsorder erlassen, die verfügte, dass die Stadtgemeinden die Berechtigung haben, eine Hundesteuer zu erheben. Das ist deswegen bedeutsam, da dies das erste Mal in Deutschland war, dass es eine allgemeine staatliche Berechtigung für eine Hundesteuer von Kommunen gab. Die Einführung trug 1830 zur explosiven Lage in der Berliner Schneiderrevolution (lokale Unruhen, eher ein Aufruhr als eine Revolution) bei. Mit der Kabinettsorder vom 18. Oktober 1834 erhielten auch Kommunen, die keine Städte waren, das Recht, eine Hundesteuer einzuführen. 1840 reihte der preußische Staatswirtschaftler Johann Gottfried Hoffmann die Hundesteuer unter die „Steuern, wodurch Aufmerksamkeit für ihren Gegenstand erweckt werden soll“ sowie unter jene Steuern ein, deren hauptsächlicher Zweck nicht ist, Einkommen zu verschaffen.

Großherzogtum Baden

Nachdem es im Großherzogtum Baden zu Unglückfällen durch tollwütige Hunde kam, wurde auch hier eine jährliche Hundesteuer eingeführt und zwar per Erlass vom 13. Februar 1811. Mit dieser Steuer sollte die übermäßige Anzahl der Hunde minimiert werden. Um das zu dokumentieren bekamen Hundebesitzer einen Erlaubnisschein. Auch im Großherzogtum Baden gab es wieder Ausnahmen. Von der Steuer befreit waren Metzger, Fuhrleute, Wächter, Hirten, Schäfer, Feldhüter und Bannwarte. Ebenso befreit waren Wachhunde von Gebäudebesitzern, die bei offenem Tor anzuketten waren, sowie die Hunde jagdberechtigter Stellen, die außerhalb der Zeit des Gebrauchs eingesperrt zu halten waren.