Die Gründe für die Einführung einer Hundesteuer oder mit einer Gebühr verknüpften Hundelizenz waren schon immer vielschichtig.

Zum einen galt die Hundesteuer schon immer als gute zusätzliche Einnahmequelle. Zum anderen war natürlich das Ziel die Zahl der Hunde zu reduzieren. Und das klappte auch meist. So beobachtete man in Berlin, dass ein Senken der Hundesteuer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu führte, dass die Zahl der Hunde wieder anstieg. Bei Einführung bzw. Erhöhung der Hundesteuer war hingegen beobachtet worden, dass die Zahl der Hunde durchaus auch über Ertränken reduziert wurde. Geschichte der Hundesteuer.

Zahl der Hunde begrenzen

Nicht immer oder nicht nur ging es dabei darum, der unteren Bevölkerungsschicht das Halten von Hunden zu verleiden, sondern es war auch aus seuchenpolitischer Sicht sehr wichtig die Zahl der Hunde zu reduzieren und zu kontrollieren. Dass man die Tollwut schon recht schnell mit Hunden in Verbindung brachte zeigen auch veraltete Bezeichnungen wie Hundswut und St.-Hubertus-Krankheit. So wurden am 3. November, dem Tag des heiligen Hubertus von Lüttich Salz, Brot und Wasser gesegnet, dies sollte vor Hundebissen schützen. Und ein Segen an diesem Tag sollte Hunde selbst auch vor der Tollwut schützen. Es wurden Hubertusschlüssel zur Behandlung und Vorbeugung gegen Tollwut verwendet.

Heiliger Hubertus - Schutzpatron der Jagd.

Heiliger Hubertus sollte Menschen und Hunde auch vor der St. Hubertus Krankheit (Tollwut) beschützen.

Kampf gegen die Tollwut

Auch heute können Hunde Krankheiten übertragen, eine sehr gefährliche Krankheit, die schon seit Jahrtausenden bekannt ist, ist die Tollwut. Während wir uns heute mehr über Zecken ärgern und davor fürchten, dass unsere Hunde mit der durchaus auch gefährlichen Borreliose angsteckt werden kann und wir deswegen natürlich unsere Hunde mit geeigneten Zeckenmitteln gegen Zecken schützen, war bis vor wenigen Jahrzehnten die Tollwut die wohl größte Gefahr, die von einem Hund für uns Menschen ausgehen konnte. Wobei die Vergangenheitsform in diesem Fall wirklich nur für Deutschland gilt, denn in vielen Ländern ist die Tollwutgefahr noch allgegenwärtig. Indien ist zum Beispiel das Land der Erde, in dem die meisten Tollwutfälle bei Menschen bekannt sind. Dort erfolgt die Übertragung meist eben durch Bisse von freilaufenden Hunden bzw. Streunern. In Indien dürfen streunende Hunde nicht getötet werden. Es gibt zwar Programme, die dafür sorgen, dass diese eingefangen und gegen Tollwut geimpft werden sollen. Aber natürlich sind längst nicht alle Hunde in Indien gegen die Tollwut geimpft.

Wie ernst die Gefahr einer Tollwutinfektion immer noch auch in Europa genommen wird, sieht man daran, dass zum Beispiel Flugreisen mit Hund nur möglich sind, wenn das Tier einen internationalen Heimtierausweis hat, in dem eine gültige Tollwutimpfung vermerkt ist.

Und heute? Tollwut in Deutschland eigentlich ausgerottet bei Hunden

Zumindest in Deutschland gilt die Tollwut bei Hunden und auch bei Wildtieren als eingedämmt bzw. ausgerottet. Wenn bei Hunden Tollwut festgestellt wird, dann meist bei Tieren, die meist illegal aus dem Ausland ins Land gebracht wurden. So wurde 2008 bei einem aus Kroatien importierter Hund die Tollwut festgestellt und 2010 bei einem Hund, der illegal aus Bosnien mitgebracht wurde. Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat im Jahr 2007 bei einem Mann auf, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

Großbritanniens Kampf gegen die Tollwut

Ein Land, in dem die Tollwut bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, also vor mehr als 100 Jahren, ausgerottet wurde, ist Großbritannien. Begünstigt durch die Insellage war es den Briten aber auch möglich, für Abschottung zu sorgen. Eingeführt wurden damals Hundelizenzen, Straßenhunde wurden getötet und es gab eine Maulkorbpflicht. Noch heute ist es so, dass die Einführung von Hunden wegen der möglichen Einschleppung der Tollwut an strengere Auflagen geknüpft ist, als in anderen europäischen Ländern. Das bekam auch schon der portugiesische Trainer Jose Mourinho zu spüren, der seinen Hund eiligst außer Land schaffen ließ, nach dem er ihn wohl zuvor unter Umgehung dieser Auflagen ins Land gebracht hatte. Der Erfolg gibt den Briten recht.

Seuchenpolitik und Hundesteuer?

Aus heutiger Sicht macht eine seuchenpolitische Komponente bei der Hundesteuer aber kaum noch Sinn. Natürlich können Hunde an gefährliche Krankheiten erkranken wie zum Beispiel der Borreliose. Und auch der Mensch kann durch einen Zeckenstich mit Borreliose infiziert werden (noch größer ist die Gefahr, die von einer FSME-Infektion für den Menschen ausgeht, aber die trifft Hunde wohl nicht).  Und natürlich ist Borreliose nicht die einzige Krankheit, die von Zecken übertragen wird, weswegen man als Hundehalter seinen Hund in der Saison unbedingt gegen die Parasiten schützen sollte, was mit entsprechenden Halsbändern oder auch natürlichen Mitteln geschehen kann. Je mehr Hunde aufeinander leben, umso größer auch die Gefahr einer Flohplage (Flöhe waren mit Schuld an der Verbreitung der Pest im Mittelalter, allerdings waren dies Flöhe, die vorher auf Ratten mitgereist waren). Die Zeiten von Tollwut sind aber längst vorbei, die Zeiten der Pest auch. Daher scheint mir zumindest die seuchenpolitische Komponente doch langsam hinfällig zu sein.

Aber bei uns hat man eh den Eindruck, dass die Hundesteuer eher als zusätzliche Einnahmequelle für die Kommune dient. Siehe auch Fakten zur Hundesteuer.